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Wohnraum im Wandel - Bericht zum Workshop

von Julia Petzold
Themen Wohnen Öffentlicher Raum
22 Juni 2018

Eberswalde ist nicht nur selbst Aushängeschild für „Nachhaltige Forschung und Lehre“, sondern wird gelegentlich auch mal von Außen beforscht. Zurzeit sind mehrere studentische Projektgruppen des Masterprogramms „Urbane Zukunft“ der FH-Potsdam in der Barnimer Kreisstadt - in der ja die Potenziale bekanntlich nur so schlummern - unterwegs, um sich unterschiedlichen Gesichtspunkten der Stadtentwicklung zu widmen.

Das Themenfeld Wohnen, Raum- und Flächennutzung zum Beispiel, nahmen die sechs Student*innen der Projektgruppe „Wie wohnt Waldi“ unter die Lupe. In der neuen Thinkfarm Eberswalde gingen sie in einem Workshop folgenden Zielfragen nach: Welche Handlungsspielräume gibt es in Eberswalde zur Förderung sozial nachhaltigen Wohnens und wie lässt sich daraus ein gemeinsamer Handlungsleitfaden für Initiativen entwickeln?

Unter den insgesamt zehn Workshop-Teilnehmer*innen waren eine ehemals in der Landschaftsplanung tätige Rentnerin, zwei Mitglieder der Transition-Initiative Wandelbar, sowie fünf aktuelle oder ehemalige Studis der HNEE, zu denen auch ich zähle – und die sich entschlossen haben, in Eberswalde zu verweilen. Nun aber davon betroffen sind, dass in den bewohnten Mietobjekten die alten Mietverträge auslaufen und neue nicht mehr aufgesetzt werden. Eines der betroffenen WG-Häuser hat vor kurzem bei der Hausverwaltung ein Nutzungskonzept für das von ihnen bewohnte Wohnhaus eingereicht. Die junge Hausgemeinschaft möchte bleiben und "eine gemeinwohlorientierte und ökosoziale Hauskultur weiterexistieren lassen, ein gutes Nachbarschaftsnetz aufbauen und bei dem Erhalt der Bausubstanz mitwirken, sowie mitentscheiden, wie saniert wird." Einige von uns engagieren sich deshalb auch in der noch sehr jungen Initiative Recht auf Stadt.

Nicht nur unter uns anwesenden Studis ist der Anteil der „Berlin-Stämmigen“ hoch. Auch ein Stadtplaner, der immer noch zum Arbeiten in die Metropole pendelt und eine, wie sie sagt, „in der Wohnungswirtschaft“ tätige Teilnehmerin, sind Zugezogene. Gebürtige Eberswalder*innen? Eine. Naja, immerhin. Dabei sind ein fruchtbarer Austausch und Solidaritätsbekundungen zwischen „den Alteingesessenen“ und „den Neuen“ vor allem wenn es um Themen wie Gentrifizierung geht, doch dringend notwendig. Aber das ist ja nichts Neues. Auch der allseits propagierte „Nachhaltigkeitstransfer“ (Uni/sozio-ökologische Initiativen ←→ Mainstream) gestaltet sich ja immer wieder als Herausforderung. Aber wär ja auch langweilig, wenn's einfach wäre.

Aktive und passive Faktoren

Zurück zum Workshop: In der ersten analytischen Übung wird, als es darum geht, sozio-kulturelle, ökonomische, ökologische und politische Schlüsselfaktoren zu identifizieren, die einen Einfluss auf die derzeitige (Wohn-)Raum-Situation ausüben, der Großstadt-Einfluss (Berlin) aufgegriffen. Auch die DDR-Vergangenheit, das Planungsrecht und das Spannungsfeld zwischen Flächenverbrauch und Leerstand spielen, laut subjektiver Einschätzung der Anwesenden, eine Rolle. Auf letztendlich 12 Faktoren (je drei pro Kategorie) sollen sich die Workshop-TeilnehmerInnen einigen. Da bleiben leidenschaftliche Diskussionen natürlich nicht aus.

Mit einer sogenannten Cross-Impact-Analyse wird anschließend bestimmt, welche Faktoren einen eher passiven und welche einen eher aktiven Charakter besitzen. Indem alle in ein Raster eingetragen und miteinander verrechnet werden, wird hierbei untersucht, inwieweit sich die einzelnen Faktoren untereinander beeinflussen. So kann herausgearbeitet werden, welche Faktoren dynamisch genug sind, um Handlungsspielräume zu ermöglichen. Laut Rechnung ist zum Beispiel der Faktor „Großstadt-Einfluss“ ein aktiver, impulsiver Faktor, genau wie die „DDR-Vergangenheit“, während „Partizipation“ eher als unabhängiger Faktor entlarvt wird. Ohje... „Wir haben es versucht, ganz realistisch zu bewerten“, kommentiert die Kleingruppe Politik. Zu den passiven Faktoren gehören unter anderem die „Beschäftigungsfelder“ und die „Parallelgesellschaften“.

5-Jahres-Plan

Welche Faktoren sind aber nun, die für uns interessanten, die sogenannten dynamisch-kritischen? Team Potsdam präsentiert die vier Gewinner und schlägt vor mit den folgenden drei weiterzuarbeiten: 1. „Zu-und Abwanderung“, 2. „Verfügbarkeit der Gebäude“ und 3. „Flächenverbrauch/Leerstand“. Erneut Kleingruppenarbeit. Jetzt geht es darum, kreativ zu werden. „Endlich“, heißt es von einer Teilnehmerin. Eine andere wiederum sieht wenig Chancen darin, mit utopischen Visionen Veränderungen in hochkomplexen Dynamiken, wie den Migrations-Bewegungen einer Kleinstadt, bewirken zu wollen. Abwarten... Alle Ideen werden mithilfe „wandernder Zettel“ im Stillen und schriftlich bearbeitet, sodass sich – ganz basisdemokratisch – nicht die lauten Marktschreier durchsetzen. Dafür, dass es draußen schon langsam dunkel wird, ist die Raumatmosphäre überraschend konzentriert. Abschließend werden die Ergebnisse auf einen Zeitstrahl geklebt.

Na bitte, der 5-Jahres-Plan steht! Der Gewerbe-Park als Co-Working-Siedlung, in der sich auch „ausgestorbenes“ Handwerk wieder ansiedeln kann, Ermittlung eines Status Quo von potenziellen Flächen, eine sofortige Inanspruchnahme der rechtlichen Möglichkeiten der Bürger*innenbeteiligung in Planungsverfahren, (analoge) Formen des Austausches innerhalb der Bevölkerung, das Einrichten von Projekwerkstätten „Alternatives Wohnen“, die Implementierung von Modellen, wie dem Mietshäusersyndikat als Grundlage für sozial verträgliche Wohnformen, sowie Umsetzung des vorhandenen Know-Hows (Hochschule/ grüne Technologien) für nachhaltige Baukonzepte – und das stets unter der Prämisse: Innenentwicklung geht vor zusätzlicher Flächen-Inanspruchnahme ... um nur einige Maßnahmen zu nennen.
Der großen Frage, wie es weiter geht, widmet sich das Potsdamer Projektteam in den kommenden Tagen. Ein Anschluss-Termin, der öffentlich wirksam sein soll, ist in Planung.

Titelbild
Autor: Julia Petzold

1 Kommentare KOMMENTIEREN
Riccardo Sandow hat einen Kommentar geschrieben
Es ist schade, dass die Ur-Eberswalder so wenig vertreten waren. Ich verfolge zumindestens die Ergebnisse der Workshops, um sie ggf. für weitere Debatten im politischen Raum zu nutzen. Eine Anmerkung hätte ich noch: Eberswalde ist mit Sicherheit keine Kleinstadt - auch in offiziellen Rastern, gehört EW zu den Mittelstädten. Dies sollte man auch konsequent so vertreten. Die Verwaltung hat es mittlerweile auch verinnerlicht, beansprucht man beim Land doch den Status eines Oberzentrums. Die Berliner Brille gilt es diesbezüglich abzulegen.

Ich wünsche weiterhin erfolgreiche Arbeit und damit einen Beitrag zur aktuell guten Performance der Stadt.

Mit freundlichen Grüssen

Riccardo Sandow


19:50 22/06/2018
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