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Porträt

BBIW#22 // finkenfood co-op

Lebensmittel und Ernährung SoLaWi Nachbarschaft

von Claudia Dube - 23 Januar 2017

Der Apfelbaum schmeißt wieder vollkommen ignorant die Früchte in den Garten? Du kochst leidenschaftlich gern Marmelade, die in dieser Menge zur Zuckerkrankheit führen muss? Und in den ewig gleichen Supermärkten gibt es keine ernstzunehmende Option die Welt zu verbessern? Die finkenfood co-op bringt all diese Teilaspekte in einem gut durchdachten Konzept zueinander.

Klirrende Kälte konnte Fanny von der finkenfood co-op nicht davon abhalten uns aufs freie Feld zu führen auf dem der Wind sein Übriges tat. Kein Wunder, denn Fanny war vorbereitet. Fanny hatte Tee dabei. So erzählt sie uns von ihrer Vision, wie sie die Ressourcen in Finkenkrug, einem Stadtteil der einwohnerstarken Stadt Falkensee, wahrnimmt, wo sie Bedarfe sieht und wie das alles in der finkenfood co-op zusammenfließen kann.

Falkensee kann mittlerweile über 40.000 Einwohner seine Bürger und Bürgerinnen nennen. An der Zahl gibt es einen (1) gut sortierten Bioladen. Die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Discounter bieten dem geneigten Verbraucher wahrlich nicht die Möglichkeit reflektiert zu konsumieren. Lieber Augen zu und durch. Das muss aber nicht so bleiben. Denn Fanny Huth hat eine Idee, baut sich gerade ein starkes Netzwerk auf, kann so hoffentlich bald den Bedarf nach lokalen Produkten bedienen und die Falkenseer dazu bewegen sich intensiver an der Produktion ihrer Lebensmittel zu beteiligen und so wiederum die aktuellen Konsumtrends zu hinterfragen.

Die Idee einer food co-op, also einer Lebensmittelkooperative, ist die, dass Konsumenten sich zu einer großen Nachfrage zusammenschließen, um vom Erzeuger direkt zu beziehen. So spart man sich den Umweg über den Zwischenhändler, der sich einen nicht unerheblichen Teil Vertriebskosten einsteckt. Für den eigentlichen Produzenten bleibt dann nicht mehr viel. Da es mit der Landwirtschaft unmittelbar um Falkensee auch nicht so rosig aussieht, aber viele Bewohner einen Garten mit der ein oder anderen Nutzpflanze haben, die zu sommerlichen Hochzeiten auch mal etwas übereifrig werden können, hat Fanny schlau kombiniert und die Idee der food co-op quasi standortangepasst weiterentwickelt. Gartenüberschüsse sollen gesammelt, von anderen Mitgliedern weiterverarbeitet, von wieder anderen, perspektivisch in einem Ladengeschäft, vertrieben werden. Jeder so wie er kann und Spaß daran hat.

Seit 2015 macht sich Fanny für diese Vision stark. Nachdem sie in ihren frühen Zwanzigern das erste Mal selbstständig war, mit eigener Bar in Berlin, war sie nun, einmal nach Falkensee gezogen, eigentlich nicht mehr geneigt diese Erfahrung noch einmal zu machen. Also stand die Weiterbildung zur Naturkostfachverkäuferin an. Nach einiger Zeit im Reformhaus juckte es aber doch wieder hier und da. Was soll man sagen: einmal selbstständig, immer selbstständig. So ergab sich der Umstand, dass Fanny mit ihrer Idee beim Jobcenter vorsprach und man höre und staune: Fanny wird nun in der Startphase finanziell unterstützt. Ein nachhaltiges Projekt, das Perspektiven für eine lokale Versorgung schafft und die Bürger zur Selbstversorgung ermächtigt - vom Jobcenter finanziert - wenn das nicht Wandel ist. Fanny hat durch die Finanzierung die wirkliche Option, frei von wirtschaftlichem Druck ein Netzwerk aufzubauen, in dem gleiche Interessen verfolgt werden.

In der Coop in Finkenkrug kann man sich vielfältigst engagieren. So kann man einfach nur essbare Gartenüberschüsse abgeben. Man kann aber auch die Rohstoffe weiterverarbeiten. Marmelade, Chutney, Omas Geheimrezeptur. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Bei finkenfood gab es fürs Erste im Sommer 2016 Obst, Gemüse und Selbstgemachtes, darunter auch upgecyclte Unverpackttaschen – Verbraucherbildung, der sich finkenfood auch verschrieben hat, macht vor keinem Thema halt. Gemeinsam mit Götz Rogge, der sich der Manufaktur von sizilianischem Eis verschrieben hat (Goaty), betrieb finkenfood einen Stand am Bahnhof Finkenkrug vor dem Jugendclub Alte Post. So werden die Falkenseer/Finkenkruger/Bewohner dieser Welt auch ab April 2017 wieder mit lokalen Köstlichkeiten und Götz´ Eis verwöhnt. Der Jugendclub stellt fürs Erste Strom, Wasser und Toiletten zur Verfügung und die finkenfoodies konnten dort einen Kühlschrank unterbringen. Für den Anfang ist das eine wunderbare gemeinschaftliche Lösung, dennoch braucht finkenfood eine vom Hygieneamt abgenommene Küche, damit die foodies sich auch weiterhin für ihre Region stark machen können. Da die Produkte von und für die co-op und auch viele andere in einem Ladengeschäft vertrieben werden sollen, sind Vorschläge für geeignete Räume auch hierfür gern gesehen.

Fanny hat eine wundervolle Vision für die zugegebenermaßen manchmal recht „wandelschwache“ Stadt Falkensee. Seit 2015 macht sie sich dafür stark und hat mittlerweile viele Mitstreiter gefunden. Konsumenten können so aus ihrer passiven Rolle herausgeholt werden und werden bemächtigt an der Produktion ihrer Lebensmittel teilzuhaben, werden zu Prosumenten. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal. Dann bei einer Tasse köstlichem, lokalen Apfeltee.

Wenn du Lust hast dabei zu sein oder aus anderen Gründen Kontakt aufnehmen möchtest: hier kommst du zum Karteneintrag.

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