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Porträt

BBIW#5 // Stadtgarten Cottbus

Gemeinschaftsgärten Nachbarschaft Soziales

von Lena A - 18 August 2016

Martin Wenzel ist Sozialarbeiter in Cottbus. Und seit Neustem Gärtner. Das hat ihm sozusagen seine Arbeit ermöglicht. In einer Plattensiedlung erklärt er Kindern, dass die Tomate nicht aus der Plastiktüte kommt. Der Stadtgarten Cottbus im Stadtteil Sandow ist ein Ort zum Anbauen und Chillen – besonders für Jugendliche und zunehmend für Rentner*innen. Ein Projekt mit dem Ziel, „dass alle gut druff sind“.

Mitten in Cottbus an der Spree gibt es seit ungefähr einem Monat einen Stadtgarten. Auf der Brache einer ehemaligen Kindertagesstätte stehen bereits ein paar Hochbeete und Bänke, es soll noch allerlei mehr kommen. Darauf freut sich Martin Wentzel, Mitarbeiter des Humanistischen Jugendwerks, der gemeinsam mit der „Power von Leuten“ die Nachbarschaft stärken will. Der Stadtgarten Cottbus ist als Mikroprojekt über „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ finanziert. Das Projekt JUGEND STÄRKEN im Quartier Cottbus wird im Rahmen des Programms JUGEND STÄRKEN im Quartier durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Mitte 2015 setzt sich die Initiativgruppe des Gartens mit der Stadtverwaltung zusammen und lotet Möglichkeiten aus, die beste Fläche für das Projekt zu finden. Die Gruppe kennt Stadtgärten aus Großstädten, die sich dort als wichtige soziale Orte etabliert haben. Der Standort in Sandow stellt sich als gute Grundlage heraus. Direkt am Garten gibt es sogar ein Volleyballfeld, denn neben der harten Arbeit des Schaufelns, Säens und Gießens sollen vordergründig Jugendliche Spaß am Abhängen im Stadtgarten finden. Martin lockt nebenher mit unterschiedlichsten Spielen an, „manchmal grillen wir auch“. Ebenbürtig hat er sich einen Bildungsauftrag gesetzt. In Supermärkten gibt es außer Hochglanzplakaten mit frisch gewaschenem Gemüse kaum Aufklärung darüber, dass Kohlrabi kein Produkt der Pharmaindustrie ist, sondern aus der Erde kommt. Martin selbst möchte auch etwas lernen, „welche Kulturen gibt’s, was passt zusammen in den Beeten, welche Erden benutzen?“, darauf ist er gespannt.

Deshalb wünscht sich Martin einen „fluorierenden Garten, der schön blüht, wo viele Sachen drin sind, die man auch ernten und essen kann und viele verschiedene Menschen sich begegnen und auf der Basis des Gärtnerns zusammenkommen und sich austauschen“. Der Stadtgarten Cottbus ist offen für alle, die mitmachen, gärtnern, sich entspannen wollen und verfolgt ein ebenso offenes Raumkonzept – „kein Zaun und nichts“. Auch Rentner*innen kündigen in der Puppe des Projekts bereits Interesse an: sie bitten darum, den Garten barrierefrei zu gestalten. Ein Vorschlag, an dem gegenwärtig kräftig getüftelt wird. Auch in Cottbus ist der demographischen Wandel eine Herausforderung, der Garten ist eine gute Möglichkeit, gemeinsam anzupacken und Rentner*innen den Traum vom eigenen Gemüse zu ermöglichen. Ganz nach dem Motto Jugendliche ackern, Rentner*innen wässern und zwischen Kornblume und Karotte gedeiht die Generationendebatte.

Ein großer Gewinn für den Garten kommt von der freiwilligen Feuerwehr. Die hat Wasser gespendet. Daran erfreuen sich die Sämlinge, und „manchmal wissen wir auch gar nicht, von wem was ist, da kommen einfach Leute und pflanzen was“, erzählt Martin, aber dass die Anwohner*innen zum Gießen wiederkommen, darauf sei Verlass. Die Gruppe der Stadtgarten-Aktiven besteht aus vier Menschen, die „pushen“ und neugierig machen. Mit Erfolg. Das Interesse der Sandower nimmt zu, es wird aus den Fenstern der Plattenbauten gelukt, ein 80-jähriger Zirkusartist balanciert im Garten mit einer Schaufel auf der Nase wie in einem Bulgakow-Roman und der Scheriff vom Stadtgarten, 10 Jahre jung und stolzer Eigentümer einer Sonnenblume von Mutti, „guckt, dass alles seinen richtigen Weg geht“.

Das „Mitmachprojekt braucht noch mehr Leute, „aber das ist der Anfang, das ist okay“, sagt Martin, äußerst gechillt und zuverlässig. Er ist sich bewusst, dass manch Anwohner*in ein bisschen Zeit braucht, um die guten Gründe des Gärtnerns zu adaptieren. Konkret gibt es zum Beispiel noch keinen Schuppen, Schippen und Schaufeln werden jeden Donnerstag zum Gartentag mitgebracht. Dafür könnten in Zukunft ein paar Hände willkommen sein. Sachspenden wie Schippe, Pflanzen und Wasser sind ebenfalls gern gesehen. Für die Zukunft des Gartens wünscht sich Martin in absehbarer Zeit eine erkennbare Struktur, barrierefreie Wege, Leute, die Verantwortung übernehmen, sich mit dem Stadtgarten identifizieren und ganz verschiedene Menschen, die mitmachen - einfach eine schöne Zeit miteinander verbringen.“ Gleichzeitig birgt der Garten einen politischen Lerneffekt: „Leute zusammenbringen ist ganz, ganz wichtig...Solidarität spielt sicherlich auch eine Rolle“ - man hilft sich gegenseitig. Im Herbst bzw. Winter ist geplant, Gemüse im Kontaktladen der Sponsorstelle zu „verkochen“. Na dann guten Appetit.

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