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Porträt

BBIW#3 // Auenhof Havelland

Lebensmittel und Ernährung SoLaWi Wohnprojekte

von Jule Breitschlag - 18 August 2016

Eine Solidarische Landwirtschaft im schönen Nichts von Brandenburg? Von wegen: In Parey und Umgebung strotzt es vor Leben; es grünt, es flattert und es wächst, wohin das Auge sieht. In Vielfalt geeint, ackern vier Landwirt*innen um die nächste Ernte. Und weil das dem neugegründeten Auenhof Havelland zunehmend gelingt, hinterlassen sie erste Fußspuren – und frisches Gemüse- in der Region.

Einige Kilometer Beton führen nach Parey, dazwischen wächst Gras und Zeit. Parey liegt im Havelland bei Havelaue oder war es umgekehrt? Egal, denn wo Baum und Nachbarschaft die Richtung weisen, spielt das GPS keine Rolle mehr. Am Ende eines dieser Wege querfeldein steht ein Drei-Seiten-Hof, seit Kurzem das Zuhause von Johanna, Jochen, Michael und Nico. Sie kamen aus dem Norden und dem Osten, hatten keine Lust auf tayloristische Betriebführung in der Landwirtschaft, dafür Interesse an politischer Arbeit mit dem Spaten. Dann wurden sie Gründer*innen des Auenhofs Havelland im östlichsten Brandenburg, gut fünfzehn Kilometer von Rathenow entfernt.

Dabei begann alles erst im letzten Oktober: Während in Johanna und Jochen die Idee schon eine ganze Weile reift, fangen Micha und Nico spontan Feuer: Während einer Oktobertagung von Demeter lernen sie sich kennen und schmieden einen mächtigen Plan. Der nimmt schon sehr bald konkret Formen an und trägt heute bereits erste Früchte. Dass Jochen und Micha Anfang August bei schönstem Wetter entspannt die Möhren aus der Erde ziehen, soll nicht darüber hinwegtäuschen, wie viel Arbeit unter dieser Erde liegt. Zwei Komma fünf Hektar sind nicht mal eben mit der Gießkanne gegossen. Die dreibeinige Katze fällt beinahe in den Wassertrog, auch so kann's manchmal gehen. Entscheidender Vorteil: Sie sind nicht allein, denn der Auenhof Havelland ist eine SoLawi, wie es im Agrar-Jargon heißt.

In einer Solidarischen Landwirtschaft gehen die Abnehmer*innen und die Bäuer*innen eine Kooperation ein, um zusammen einen landwirtschaftlichen Betrieb zu finanzieren und zu erhalten. Im Frühling zu Beginn eines Wirtschaftsjahres wird das benötigte Budget für alle Ausgaben berechnet, die für Gehälter, Saatgut, Pacht, Material oder Geräte anfallen. Indem ein Mittelwert für den einzelnen Ernteanteil errechnet wird, wird die Summe unter allen Mitgliedern solidarisch aufgeteilt, jede*r beteiligt sich entsprechend seiner Möglichkeiten. Der Hof hat somit eine Planungssicherheit und die Abnehmer*innen bekommen zur Ernte frisches Gemüse und Obst, dass sie schlussendlich als Biokiste die Stadt erreicht.

Volker-Koepp-Wolken, der Dorfstorch fliegt über den Acker. Rund sechzig Kulturen wachsen hier im Garten, roter Spitzkohl neben Romanesco und Asiasalat. Die große Vielfalt, „eigentlich alles, was in Deutschland wächst“, dient nicht nur einer angestrebten Vollversorgung, sie ist auch eine Antwort auf die spezifischen Herausforderungen des Standorts, wissen die Gärtner.
Denn nicht alles, was wachsen soll, wächst auch, erst die Dürre des Aprils wird zeigen, ob sich der Weißkohl bewähren kann.

Die Landwirt*innen werden zu Spezialist*innen und auch zu Generalist*innen, schließlich fordern nicht nur die Jahreszeiten ihren Tribut: Die Ökonomie will durchdacht, erste Schulklassen willkommen geheißen, das Haus winterfest gemacht werden. Viele positive Rückmeldungen haben sie bekommen, auf dem Hoffest, aus der Hauptstadt und vom Nachbarn, mit dem ein spezieller Deal besteht: der muss seinen Mist loswerden, den der Acker des Auenhofs gut gebrauchen kann. Ausbaufähig bleibt derzeit noch die Mitgliederzahl - vor lauter Zuspruch werden manchmal die Unterschriften vergessen. Insgesamt schauen die Vier und 57 weitere SoLawist*innen jedoch optimistisch in die Zukunft, die sich Auenhof nennt.

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