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Porträt

BBIW#28 // SoLaWi im Fläming

Landwirtschaft Lebensmittel und Ernährung SoLaWi

von Andreas Gerlof - 10 April 2018

Für eine gelingende solidarische Landwirtschaft bedarf es eines hohen Organisationsgrades. Die SoLaWi des Landgut Lübnitz wird dem seit weit mehr als 10 Jahren trotz notorischer Nichtklammerer gerecht. Was es damit auf sich hat lest ihr hier.

Dem Alpinisten erscheint der Fläming als leicht gewellte Ebene, für manche Küstenbewohner mag er so etwas wie ein Mittelgebirge sein. Irgendwo zwischen diesen Polen scheint Birgit Albert von der Solidarischen Landwirtschaft Fläming in Lübnitz zu changieren, wenn sie über deren Geschichte spricht. In den 90er Jahren durch eine Gruppe von Zusammenleben-Wollenden quasi in die vorgeburtliche Phase getreten war man sich als Hofgemeinschaft 2004 einig, gemeinsam Landwirtschaft im Sinne von Selbstversorgung betreiben zu wollen. Ökologisch und vollständig sollte diese Art der Selbstversorgung sein, inklusive Milch und Milchprodukte. Das ganze schrumpfte im Laufe der Zeit auf Gemüse und Obst im Rahmen einer dann von einigen betriebenen solidarischen Landwirtschaft zusammen, ohne Käse, dafür aber mit viel mehr Menschen, die die Ernte teilen.

Es ist wohl trotzdem eine Erfolgsgeschichte und in dieser Langfristigkeit eher selten im Land unter dem Roten Adler zu finden. Als das Projekt damals auf solidarischer Basis angefangen hatte, Gemüse anzubauen, gab es den Namen „solidarische Landwirtschaft“ noch gar nicht, wir haben es hier also mit waschechten PionierInnen zu tun. Heute ist der Betrieb Teil des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft. Auf einer Fläche zwischen einem halben und einem ganzen Hektar, 200 Quadratmeter davon unter einem Folientunnel betrieben, wird dafür gesorgt, dass aktuell 52 Mitglieder pro Jahr, also inklusive Partnern und Familien schon so 120 bis 150 Menschen, ihre Vitamine und einiges mehr hochprozentig-solidarisch und nicht über den Einzelhandel – sei er nun konventionell oder Bio – erwerben.

Verglichen mit dem großen Zuspruch, den die Unternehmung in der näheren und ferneren Nachbarschaft genießt, gibt es noch sehr wenig aktiv Beteiligte auf dem Acker, meint Birgit Albert. Zumal sie davon ausgeht, dass rund um das nahegelegene Belzig ein Viertel aller Anwohner irgendwie alternativ angehaucht sei. Der Sprung von der Sympathie zur Beteiligung ist wohl ein sehr großer – das merke man von Zeit zu Zeit auch daran, wie schwer es fällt, Helfer zu bekommen. „Wir liefern nicht das ganze Jahr alles, wie ein Bio-Supermarkt. Und es ist bei uns teurer“, versucht sie zu erklären und nimmt mit „Die haben ja auch alle anstrengende Berufe“, so manchen peripher Beteiligten in Schutz.

40 unterschiedliche Kulturen sind es immerhin, die hier reifen und verteilt werden – zwölf Monate im Jahr für einen aktuellen Monatsbeitrag von 75 Euro. Manche davon für die Mitglieder auch verarbeitet. Und neben dem Biosiegel, das die Produkte von diesem Hof fast automatisch jedes Jahr wieder bekommen, werben für die Produktionsweise natürlich auch die Anstrengungen zum Bodenerhalt: Unter- und Zwischensaaten, Winterbegrünung und vieles mehr, was Geld und Zeit kostet. Da ist es schon gut, dass der Vertrieb an sich sehr einfach läuft: Einmal pro Woche beliefert man die in Potsdam und Kannin (OT von Beelitz) ansässigen ErnteteilerInnen, der Rest holt als regionales Mitglied oder, noch näher anwohnend, als Mitglied der Hofgemeinschaft, selbst vor Ort ab. Dabei gilt: „Jeder nimmt sich, soviel er braucht.“

Ein fast nebenher gesagter Satz von Birgit Albert, der erklärungsbedürftig ist. Denn das Schlaraffenland hat hierzulande noch niemand gesichtet und gerade in der kalten Jahreszeit sind manche Güter wirklich nur in kleinen Mengen vorhanden. Dass es trotzdem so und weitestgehend konfliktfrei funktioniert liegt wohl zum einen an der Mentalität der Mitglieder, zum anderen am hiesigen Klammerprinzip: Jeder, der abgeholt hat, hängt die Wäscheklammer mit seinem Namen auf die Seite “Schon abgeholt“. Jeder Neu-Abholer weiß also, wie viele, die noch nicht hier waren, genau wie er vom Vorhandenen noch etwas abbekommen wollen. Zumindest in der Theorie, denn leider setzt nicht jeder das Prinzip um: „Es gibt notorische Nichtklammerer“, sagt Birgit Albert.

Trotzdem oder gerade deshalb: Für sie ist der Wandel schon da, sie sieht sich als einen aktiven Teil davon und wünscht sich schnell jüngere Nachfolger. Man müsse weg von der auf Kleinfamilien und Profit orientierten Gegenwart; für sie sei es spannend, was nach dem Kapitalismus kommt. Sie zumindest freue sich auf das Positive, was in den kommenden Jahren entsteht: „Es gärt und keimt wie in der Natur.“ Ob nun Mittelgebirge oder welliges Flachland – eine ganze Menge tektonische Veränderung und Zukunftsoptimismus kann man heute durchaus im Fläming erleben.

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