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Porträt

BBIW#15 // Ökohof Waldgarten

Permakultur Landwirtschaft Lebensmittel und Ernährung SoLaWi

von Claudia Dube - 11 November 2016

Die solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Waldgarten in der Ostprignitz wirtschaftet nach den Prinzipien der Permakultur. Für Frank Wesemann bedeutet das aber nicht nur, dass er Gemüse auf diese besondere Art und Weise anbaut. Vielmehr hält die Permakultur für ihn viele Antworten auf drängende Fragen parat.

Vor zwanzig Jahren zog es Frank, nachdem er mit der Idee der Agroforestry in Berührung kam, in die Landwirtschaft. Nach einjähriger Suche fand sich, damals noch zu einem Viertel der Bodenpreise von heute, ein ca. zehn Hektar großes Areal in der Prignitz. So begann es damals, vollgepackt mit Idealen und der Idee nach den Prinzipien der Permakultur zu wirtschaften und zu leben, startete Frank mit seiner Familie ein neues Leben auf dem Land. Das Konzept der Permakultur ist ursprünglich für die Landwirtschaft erdacht worden, um natürliche Kreisläufe zu schaffen, die sich selbst regulieren und nachhaltig funktionieren. In den letzten Jahrzehnten ist diese Idee immer weiter gedacht worden und beschreibt heute einen ganzheitlichen Denkansatz, der eine permanent culture auf unserem fragilen und endlichen Planeten ermöglichen kann.

Da ein Hof im Aufbau sehr arbeitsintensiv ist und die Kosten gedeckt werden müssen, kam Frank mit der Zeit etwas von der Idee des Waldgartens ab. In den letzten fünf Jahren konzentrierte er sich wieder Stärker auf dieses Konzept und wenn man jetzt in den (Wald)Garten hinterm Haus einen Spaziergang macht, bekommt bereits ein Gefühl dafür, was es bedeutet, in essbaren Landschaften zu leben. Der Waldgarten ist ein Ökosystem, dass möglichst selbstregulierend, arten- und sortenerhaltend, ökologisch und wirtschaftlich funktioniert. Wirtschaftlich in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: man setzt personelle und materielle Ressourcen so ein, dass sie dem Unterhalt des Menschen dienen. Denn in der Landwirtschaft, hier auch deutlicher spürbar als woanders, wird dem findigen Beobachter schnell klar, dass Ressourcen endlich sind. Wenn man immer wieder sehr nährstoffbedürftiges Gemüse anbaut, ist der Boden irgendwann ausgezehrt. Das würde wiederum einen Mehraufwand für den Landwirt bedeuten, dem Boden wieder Nährstoffe zuzuführen. Der Waldgarten als eine besondere Landwirtschaftsform der Permakultur reguliert sich diesbezüglich selbst, so kann man dem System Biomasse entziehen ohne dass man es auslaugt. In dem man zum Beispiel nicht in den Boden eingreift, erhält man Bodenlebewesen, die wiederum an der Zersetzung von toten Pflanzenbestandteilen beteiligt sind und somit Humus aufbauen, der Nahrungsgrundlage für Pflanzen ist. Das ist nur ein ganz kleiner Teil eines Ökosystems. Der Waldgarten, als größeres System, ist gekennzeichnet durch verschiedene Gehölzschichten. Hohe Obstgehölze, flachere Sträucher, ganz unten dann die Kraut- und Rübenschicht. So wird die Vielfalt von Sorten und Arten gewährleistet, denn je vielfältiger, desto widerstandsfähiger. In den letzten fünf Jahren hat Frank sich besonnen, weniger mehr sein zu lassen und sich intensiv damit beschäftigt seinen Waldgarten aufzubauen.

Das Gleiche Prinzip ist auch auf das menschliche Miteinander anwendbar. So hat Frank früher noch zu einem größeren Teil direkt vermarktet, arbeitet aber seit fünf Jahren daran auf die solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) umzustellen. Derzeit werden 85 Prozent seiner Erzeugnisse an die Ernteteiler seiner SoLaWi weitergeben. Bei der SoLaWi erwerben die Mitglieder Anteile an den geernteten Produkten des Hofes und sind direkt in den Produktionsprozess involviert- „vom Konsument zum Prosument.“ Beim Ökohof Waldgarten hat der solidarische Ansatz einen starken gemeinschaftlichen Mehrwert für Frank. Die Mitglieder, zum großen Teil Berliner, arbeiten aktiv auf dem Feld mit. So entsteht ein Austausch zwischen den unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, die Stadt und Land vorgeben. Einerseits können so bäuerliche Strukturen auf dem Land erhalten bleiben, da Landwirte, durch die finanzielle Sicherung der Mitglieder nicht mehr den schwankenden Marktbedingungen unterworfen sind, andererseits entfremden Städter sich nicht von der Nahrungsmittelproduktion. In der Permakultur ist es angedacht, Systeme zu schaffen, die zeitlich unbegrenzt funktionieren. Der SoLaWi-Ansatz bietet diese Möglichkeit und sichert so langfristig Flächen zur Erzeugung von Lebensmitteln.

Frank und Frei gesagt: „Neun Millionen Menschen ernähren ohne die Erde zu zerkloppen.“

Er hat kleine Antworten auf großen Fragen in extensiver, kleinstrukturierter, gemeinschaftlich organisierter Landwirtschaft gefunden und sucht weitere Mitstreiter, die diesen ganzheitlichen Ansatz mitgestalten wollen.

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