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Ein Bindeglied zwischen Stadt und Land, zwischen digital und real. Das Projekt „UckerMarker“ ist online

von Claudia Dube
Themen Gesellschaft Kultur Lebensstil
12 Oktober 2016

Die Uckermark - die am dünnsten besiedelte Region Brandenburgs. Selten war der Begriff Landflucht spürbarer. Fast ein Drittel der Bevölkerung ist in den letzten 25 Jahren abgewandert. Svea Weiß und Rainer Schmitt wollen darauf aufmerksam machen, dass es hier dennoch Menschen gibt, die die Region liebens- und lebenswert machen. Auf einer online-Karte sind Orte, Menschen, Projekte verzeichnet, die die Uckermark zu dem machen was sie ist. Seit Sommer 2016 ist die Karte online und man kann sich selbst ein Bild davon machen, was die Uckermark so eigentlich alles zu bieten hat.

Selbst die Berliner Zeitung fragt sich, ob denn was dran ist an den Gerüchten, dass es Berliner Kreative vermehrt nach Brandenburg zieht. Nachvollziehbar irgendwie. Die Stadt ist voll, die Stadt ist laut und überhaupt irgendwie an vielen Ecken schon viel zu aufgeräumt und glattgebügelt. Inspiration findet der geneigte Künstler in der Uckermark zuhauf. Und Ruhe satt. Wie ist das aber vereinbar mit den Alteingesessenen? Könnten die Ureinwohner nicht auch befremdet sein von den Invasoren, die daher kommen und ihr Ding machen? UckerMarker stellt in diesem Spannungsfeld ein Bindeglied dar, das einerseits Lust macht auf mehr, aber andererseits auch deutlich macht, dass die Region keine weiße Wand ist, die man frei neu gestalten kann. Auf uckermarker.net werden Projekte und Menschen in der Uckermark auf einer Online-Karte eingetragen. Mit einem Video, einem Artikel oder einer kleinen Tonaufnahme bekommen die einzelnen Punkte eine sinnlich erfahrbare Komponente.

Svea Weiß vom Projekt UckerMarker sieht noch viel mehr in dem Landstrich nördöstlich von Berlin als nur einen temporären Rückzugsort für stressgeplagte Großstädter. Das soll das Kartierungsprojekt sichtbar machen. Da gibt es zum Beispiel den Museumsmüller aus der Klostermühle Boitzenburg. Er hat sich für die Uckermark entschieden, weil es ihm ein Anliegen ist, weiterzugeben, was es mal bedeutet hat mit den Händen zu arbeiten. Heute sei kaum mehr vorstellbar, wie viel Zeit man ohne Strom zur Produktion eines Brotes brauchte. In der Uckermark kann er dieser Entschleunigung nachspüren. So sei er angekommen im ganz eigenen Rhythmus der Uckermark. Und möchte bleiben.

Entschleunigung ist wohl generell so eine Sache in der Uckermark. Klar, wenn der Bus nur einmal täglich fährt. So primelt man dann eben rum, soll heißen: man tut halt was man kann, aber Weggehen? Manche bleiben aus Prinzip. Gerade weil sie das gemächliche Tempo so schätzen. Oder weil sie hier aufgewachsen sind. „Wo sollen sie denn auch hin?“, kommt da die berechtigte Frage. Das Kartierungsprojekt möchte genau diese Menschen porträtieren. Warum gehen sie nicht weg, wo doch so viele aus objektiv verständlichen Gründen der Region den Rücken kehren? Was bedeutet die Uckermark für die Uckermärker? So bekommen Ortschaften eine Seele und sind nicht mehr nur eine weiße Wand, die Platz für Kreative bietet.

Die Idee, die Geschichten der Menschen erzählen zu wollen, um zu zeigen wie interessant die Region eigentlich ist, kam Svea und Rainer auf einer Fahrradtour durch die Uckermark. Irritiert von der Beobachtung, dass Fahrradtouristen auf dem Weg zur Ostsee hier nur so durchrauschen, trafen sie in Schwedt auf einen Einwohner, der ihnen seine und damit auch ein Stück der Geschichte von Stadt erzählte. Die studierte Berliner Philosophin empfindet es dabei als Vorteil nicht aus der Region zu kommen. Das Dokuteam könne so viel offener an die Menschen herangehen. Die Uckermärker seien auch ihnen gegenüber sehr positiv eingestellt und lassen den Besucher der Webseite teilhaben an den Geschichten über sich und ihre Uckermark.

Mit dem Ziel die User der Seite UckerMarker zu inspirieren und zu motivieren die Uckermark von ihrer schönen Seite zu sehen und auch selbst kennenlernen zu wollen, startete das Projekt in 2015 eine Crowdfunding-Kampagne, mit deren Hilfe dann ein erfolgreicher Launch im Sommer 2016 erfolgte. Diese Form der Medien sei nachhaltig. Die produzierten Beiträge verschwinden nicht nach einer Woche im Äther des Internet, sondern können auch sehr viel später noch als eine Art Archiv dienen.

Man könne nichts machen gegen den demografischen Wandel in der Uckermark. So ist der Tenor der Politik und der Wissenschaft. Aber so wie der Museumsmüller die Schönheit in der mechanischen Funktion der Mühle sieht und heute weiter vermittelt, wie das damals funktioniert hat, so hält auch uckermarker.net die Geschichten der Region für die Nachwelt fest. Und wer weiß: vielleicht findet ja der ein oder andere durch das Projekt Gefallen an der Region. Die Willkommensagentur für Zuzügler und Rückkehrer hat da bestimmt den einen oder anderen Ratschlag zur Hand. Wie in jedem guten Zuhause steht die Tür hier anscheinend offen.

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